In Erder ist 2018 ein richtiges Kleinod entstanden

Kalletal-Erder (rto). Martin Gerke und Sabine Kregel-Richert hatten einen Traum. Mit dem alten Gasthaus „Zur Fähre“ in Erder haben sich die beiden diesen Traum erfüllt. Aus der alten, geschlossenen und unansehnlichen Dorfkneipe ist in den letzten Jahren ein Schmuckstück entstanden. Ja, vielleicht sogar ein Kleinod für das Kalletal, das seines Gleichen sucht. Nicht nur von außen hat sich das alte Haus gewandelt, drinnen wird seit einigen Tagen Hochprozentiges hergestellt. Der Lehrer und die Gemeindeangestellte haben hier, mit viel Liebe zum Detail im ganzen Haus, ihre eigene Brennerei eröffnet.

„Die Fähre – Brennerei an der Weser“ nennen die beiden ihr Herzstück in dem sie jetzt nicht nur wohnen, sondern jetzt auch Obstbrände, nur aus Bio-Obst sorten- und standortrein, herstellen werden. Die ersten Brände in der hochglanzpolierten Destillationsanlage sind bereits gebrannt. Apfel-, Himbeer-, Zwetschen-, Quitten- und sogar eine kleine Menge Mispelbrand sind gefertigt und stehen zum Verkauf.

Über 7500 Stunden Arbeit stecken seit dem Kauf im Jahr 2016 in dem Umbau des Hauses, den die beiden Enthusiasten zusammen mit Freunden und der Familie bewältigt haben. „Es ist noch nicht alles fertig, aber wir denken, dass wir uns jetzt doch schon einmal zeigen können“, sagt der Bio- und Chemielehrer aus Rinteln. „Das Ganze hier ist für uns ein Nebenerwerb“, sagt er auf die Frage der Wirtschaftlichkeit. Er habe schon immer den Wunsch gehabt, selber Schnaps zu brennen, und das Haus hätte die Voraussetzungen dafür gehabt, fügt er noch an, während er den letzten Brand für dieses Jahr beaufsichtigt. „Es ist ein sortenreiner Boskop-Brand erklärt er, während er immer wieder seinen Arm mit dem ausfließenden ca. 80-Prozent starken Alkohol bestreicht, um sensorisch mit Riechen und Kosten, die Qualität zu prüfen.

Acht Brenntage waren für dieses Jahr angemeldet, der letzte im Dezember. Jetzt heißt es erst einmal warten bis zur nächsten Obsternte im Jahr 2019. Erst dann kann wieder die Maische, die Grundlage des Brands, angesetzt werden. Sie wird auch in Zukunft sortenrein sein, sagen die Beiden. Neben eigenen bereits angepachteten Streuobstwiesen suchen sie in der näheren Umgebung noch nach weiteren. „Wir legen Wert darauf, dass wir nur Obst brennen, das nicht mit chemischen Mitteln behandelt wurde“, sagt Sabine Kregel-Richert. Wer also eine alte Streuobstwiese, die wiederbelebt werden kann, hat, wendet sich an die beiden. „Wir haben etwas dagegen, das Obst massenweise von den Bäumen zu Boden fällt und dort verkommt, das war auch der Grund, warum wir über die Brennerei nachgedacht haben“, sagt Martin Gerke.

Langsam nähert sich der letzte Brand für das Jahr 2018 dem Ende. Die Alkoholspindel zeigt in zwischen einen Wert von ca. 65 Prozent an. „Normalerweise höre ich bei ca. 70 Prozent auf, aber diese spät geernteten Äpfel sind so süß, da geht noch etwas mehr“, sagt der Neubrenner.

Doch dann ist Schluss. Knapp acht Liter des über siebzigprozentigen Alkohols brachte der letzte Brand aus der hochmodernen Anlange. Hochmodern ist sie wirklich und vom besten Hersteller in Deutschland hier an der Weser aufgestellt. Sie ist mit einem Rührwerk für die Maische, einem Katalysator, einer Kühlwassersammelanlage und einer Hochdruckspülung ausgestattet. „Davon gibt es nur wenige“, sagt ihr Besitzer stolz.

Damit auch andere Menschen etwas von der Leidenschaft der beiden haben, ist das Erdgeschoss des Hauses so ausgebaut, dass es sich für kleine Events anbietet. Direkt vor der Tür verläuft der Weserradweg und hinten hat man durch die bodentiefen Fenster einen Blick auf die Weser. Hier stehen auf großen selbst gebauten Eichentischen die chromblitzenden Metallbehälter mit den fertigen köstlichen Bränden. Hier werden die köstlichen Brände in Handarbeit in kleine Flachen abgefüllt und mit handgeschriebenen Etiketten versehen, jetzt zu Weihnachten waren sie sogar mit einer kleinen Weihnachtskugel verziert. Hier soll es dann zukünftig nach kleinen Führungen und Einweisungen in die Brennerei, auch kleine Degustationen geben.

Die Brennerei „Die Fähre“ in Erder ist ein Gewinn für das Kalletal in 2018. Weitere Informationen gibt’s unter (05733) 8775999 oder per E-Mail an: gerkekalletal@yahoo.de