„Sommersell will auch mal wat“

Barntrup/Sommersell (ar). Schmal und lang ist der kleine Raum, ohne Fenster, und er bietet vielleicht 20 dünnen Menschen Platz. Toilette und Heizung? Fehlanzeige! Die alte Scheune in der Kreuzstraße as dem Jahre 1928 mag zwar einen gewissen Charme besitzen, ein Domizil, in dem sich Bürger treffen, Vereine versammeln oder auch einmal ein Strick- oder Schachclub seinen Hobbys nachgehen kann, ist es nicht.

Da sind sich der 1. Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Sommersell, Detlef Grote, Kassierer Jörg Stuckenbrock und Vorstandsmitglied Steven Kolodziejczyk mitsamt dem rund 200 Mitglieder starken Verein seit langer Zeit einig.

Und immerhin repräsentieren sie damit fast die Hälfte der Dorfbevölkerung. Auch an Sommersell geht die demografische Entwicklung nicht vorüber, was bedeutet, dass der Landflucht entgegengewirkt und eher im Gegenteil versucht werden muss, für Zuzugswillige attraktive Angebote im Ort vorzuhalten.

Und im Ortsteil Sommersell fehlt es an einem zentralen Gebäude, welches den Bürgerinnen und Bürgern sowie Gästen des Ortes die Möglichkeit eröffnet, sich unabhängig von Zeit und Raum zu versammeln und Gemeinschaft zu pflegen. Das Dorf besteht aus dem Oberdorf und dem Unterdorf, räumlich zirka 500 Meter voneinander getrennt, und es gibt keine ortsnahe Beratungsstelle und keine Anlaufstelle, um sich informieren zu können.

Diese räumliche Trennung könnte durch einen zentralen „Ort der Gemeinschaft“ minimiert werden, zudem muss eine Flächengemeinde wie die Stadt Barntrup die Gestaltung des Gemeinschaftslebens immer mehr den Vereinen übertragen, weil die Kommune derzeit weder Geld noch ausreichend Personal hat, dies alles selbst zu organisieren. Daher wurde, gemeinsam mit dem Heimat- und Verkehrsverein die Errichtung eines zentralen „Multifunktionsbürgerhauses und Wandertreffs“ ins Auge gefasst.

Ein solches Bürgerhaus, so Detlef Grote, „ist für das gesamte Dorf und nicht für den Heimatverein.“ Und Bürgermeister Jürgen Schell sieht das Haus als ein Projekt „um die Lebensqualität im Dorf zu erhöhen, die Infrastruktur zu verbessern und damit die Gemeinschaft zu stärken.“ Die Nutzung eines Multifunktionsbürgerhauses kann vielfältig erfolgen. Eine überdachte Gebäudeterrasse soll als Schutz für Wanderer dienen, ein Schaukasten ist für allgemeine und spezielle Informationen gedacht, in dem Gebäude könnten Informationsmaterialien und Infos aus dem Dorf und über das Dorf zu erhalten sein.An diesem Begegnungsort könnten neu hinzugezogene Dorfbewohner erste Kontakte knüpfen, und es könnte Kontakte zu rastenden Wanderern hergestellt werden, so dass damit auch eine Integrationsfunktion verbunden wäre. Viele Möglichkeiten eines solchen Hauses könnten Sommersell wiedererwecken.

Kulturelle Veranstaltungen, regelmäßige Präsenzzeiten eines Arztes oder eines Verwatungsmitarbeiters würden die vor-Ort-Versorgung stärken, und es könnte ein Mobilitätshafen eingerichtet werden. Aufladestation für E-Bikes, E-Car-Sharing oder ein E-Lastenfahrrad sind vorstellbar, gemeinsame Fahrten (z. B. Einkauf oder Apotheke) könnten mit zur Verfügung gestellten Verkehrsmitteln organisiert werden.

Um dieses Projekt zu realisieren, geht man augenblicklich von einer Kostenschätzung von zirka 310000 Euro aus, doch bei einer Antragstellung als Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept „IKEK Nordlippe“ Projekt könnte man auf eine Förderung von rund 65 Prozent hoffen. Hinzu käme eine weitere Abstimmung mit dem Heimat- und Verkehrsverein über zu erbringende Eigenleistungen, was einen erheblichen Synergieeffekt bedeuten würde.

Die aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen bezüglich des demografischen Wandels, des Klimawandels und des Ressourcenschutzes, vor allem jedoch mit integrierten Konzepten, Kooperation und den Möglichkeiten von bürgerlichem Engagement sind die Basis für eine durch das Entwicklungskonzept „IKEK Nordlippe“ gebotene Möglichkeit, Instrumente der Dorfentwicklung mit Mehrwert und Nachhaltigkeit zu entwickeln und anzuwenden. Und da ist die Schaffung eines zentralen Kommunikationsortes und damit die Verbindung beider Dorfteile ein wesentlicher Faktor.

Das Konzept enthält eine Stärkung der Daseinsvorsorge, verbesserte Integration und soziale Eingliederung sowie die Einführung neuer Formen der Mobilität. Davon kann Sommersell erheblich profitieren, und so stimmt zu Recht, nach vielen Jahren der gefühlten Benachteilung, der Spruch aus dem Dorf: „Sommersell will auch mal wat“.