Heidelbeck: Rats-Mehrheit stimmt für das Feinkonzept

Kalletal-Heidelbeck (fmt). „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Diese Worte des großen Reformators Martin Luther auf dem Reichstag in Worms im Jahr 1521, sah man Ulrich Kellmer von den Grünen buchstäblich in den Augen geschrieben, als er sich, ausgerechnet am Reformationstag, im Rat gegen seine eigene Fraktion stellte. Mit einer vorbereiteten persönlichen Stellungnahme las der Fraktionsvorsitzende sein ‚Nein‘ zum Walderlebniszentrum ab. Akribisch habe er das Konzept und die Kooperationsvereinbarung mit dem Kreis durchgearbeitet und auf seine Fragen keine Antworten erhalten, sagte der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde.

Während er Zahlen und sogar Formulierungen anzweifelte und nach Abschreibungs- und Personalkosten fragte, gab es im Zuschauerraum zwei Personen, die kopfschüttelnd da saßen: Seine beiden Parteifreunde, Uwe Zimmermann, Vorsitzender des Museumsvereins Kalletal und der Kreistagsabgeordnete und Mitglied der Grünen-Fraktion im Kalletal, Jürgen Georgi. „Wir waren die, die alle Anträge zum Fortbestand des Museums gestellt haben. Das hier ist für uns jetzt nicht mehr nachvollziehbar“, sagte Jürgen Georgi nach der Sitzung zum Verhalten seines Parteifreundes. Dies vor dem Hintergrund, dass der Rest der Fraktion der Bündnis Grünen sich einstimmig für das Konzept ausgesprochen hat, wie Grünen-Ratsfrau Annette Vollmann in einer eigenen Stellungnahme hinterher bekannt gab.

Aber nicht nur die Grünen waren sich uneins. Ingo Mühlenmeier, der noch im Hauptausschuss gegen das Konzept gestimmt hatte, enthielt sich, nach einem wortgewaltigen Vortrag, der Stimme. Der Rest seiner Fraktion stimmte dagegen. In der CDU gab es eine Enthaltung. Diese kam nicht, wie man erwarten konnte von Sabine Reinecke-Erke, sie hatte im Kreistag mit ihrer Fraktion für das Konzept gestimmt, sondern von Thomas Stucke. Der Rest der Unionsfraktion stimmte dagegen, auch die Kreistagsabgeordnete. Julian Gerber von der CDU begründete dies mit zahlreichen Schwachstellen im Konzept, die man aufgedeckt habe. Am Ende seiner Stellungnahme sagte er aber noch: „Läuft das Walderlebniszentrum in ein paar Jahren wirklich gut, werden wir die Schelte aushalten!“

Die FMK stimmte geschlossen mit ‚Ja‘. Sabine Pohl, fraktionslose Ratsfrau im Kalletaler Rat, hatte ihre ursprüngliche Meinung durch ein langes Gespräch mit Uwe Zimmermann noch am Nachmittag geändert. „Wenn wir etwas für das Kalletal tun wollen, dann kann man hier nur mit ‚Ja‘ stimmen. Ich kann nicht auf das Mühlenfest gehen, das Museum besuchen und andere Dinge tun, die von den ehrenamtlichen unterhalten werden und dann gegen sie stimmen. Ich habe eine politische Verpflichtung gegenüber diesen Menschen und der Gemeinde“, sagte sie gegenüber dieser Zeitung noch vor der Sitzung.

Großes Lob gab es für den umfangreichen Vortrag des Bürgermeisters zu Beginn der Debatte - für ihn und sein Engagement in den letzten Jahren für das Museum, aber auch für alle andere Beteiligten durch Manfred Rehse von der SPD. Der Fraktionsvorsitzende der SPD appellierte noch an die Gemeinsamkeit aller im Rat als Außenwirkung für die öffentliche Diskussion, bevor seine Fraktion geschlossen mit ‚Ja‘ für das Walderlebniszentrum und damit für die Zukunft Kalletals stimmte, wie er sagte.

Mit 19 zu 11 Stimmen bei zwei Enthaltungen ist das Grobkonzept jetzt unter den Vorgaben des Kreises mit der Kostendeckung abgestimmt. Jetzt muss ein Feinkonzept erarbeitet werden, was vor allem die erarbeiteten Wirtschaftszahlen bestätigen muss. Dieses Konzept wird aus dem Vermögen des Vereins bezahlt.

Wenn die Zahlen bestätigt sind, kann es losgehen mit dem Walderlebniszentrum für Nordlippe und eine Aufwertung des Dorfes Heidelbeck.

Der Zuwendungsbescheid für die Personalkosten für den Klimamanager, der sein Büro im Walderlebniszentrum haben wird, ist bereits letzte Woche bei der Gemeinde eingegangen.