Lippischer Zieglerring feiert goldenes Jubiläum

Dörentrup-Bega (fmt). Wie viel zählt dem Einzelnen heute noch die Tradition? Wer von den rund 200 Gästen am Samstag in Bega zum 50-jährigen Jubiläum des „Lippischen Zieglerrings“ weiß noch, warum es die Zieglervereine in Lippe gegeben hat? Sind die verbliebenen Rümpfe der einst notwendigen Solidarvereine überhaupt noch überlebensfähig? Fragen, die auf der Jubiläumsfeier nicht gestellt wurden und die an diesem Abend sicher auch keine Rolle spielten.

Vielmehr stand der Zusammenschluss der lippischen Zieglervereine im November 1968 in Vordergrund. Schon damals waren wohl keine Mitglieder der 15 Vereine mehr auf Wanderschaft, um das Überleben der Familie sicherzustellen. Möglich aber, dass es zumindest damals Männer gab, die diese Zeit noch miterlebt haben.

Fest steht, dass der damalige Vorsitzende der Ziegler aus Bega, Otto Karwarth, den Anstoß gab, hier in der Halle in Bega den „Zieglerring“ zu gründen. Elf der damals 15 Vereine in Lippe folgten dem Aufruf, um die Belange der Vereine, die Traditionspflege und die Heimatarbeit zukünftig besser abstimmen zu können. Ein wesentlicher Punkt dabei waren die einzelnen Veranstaltungen mit den obligatorischen Durchmärschen. Ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das heute selbst in den eigenen Reihen kaum noch jemanden hervorlockt. Eine der Prämissen des Zusammenschlusses, „Die gegenseitige Teilnahme sämtlicher Vereine an den Jubiläumsfesten“, ist längst nicht mehr zu halten. Entweder sind die Mitglieder zu alt oder der einzelne Verein auf wenige Mitglieder geschrumpft. Große Vereine, wie etwa der in Brosen, gehören nicht zum Zieglerring. Hier gibt es zwar zahlreiche jüngere Mitglieder, aber die Tradition der gegenseitigen Hilfe steht längst nicht mehr im Vordergrund, sondern einzelne Angebote im Freizeitbereich.

So stoßen Berichte und der Hinweis auf die Geschichte der Vereine – durch den Vorsitzenden Friedrich Koch zu Beginn der Veranstaltung – nur noch bedingt auf interessierte Ohren. Die Vereine haben sich geändert. Aber ohne das Wissen über die Vergangenheit gibt es keine Zukunft. Eine Tatsache, die auch der Museumsleiter des Industriemuseums der Ziegelei in Lage, Dirk Zache, mit seinem Vortrag nur schwerlich vermitteln konnte, als er unter anderem sagte, dass man im Ruhrgebiet durch das Schließen der Zechen jetzt erfahren werde, was Lippe mit dem Ende der Ziegeleien schon lange hinter sich habe. Ob dies bei allen auch ankam, sei infrage gestellt, denn sowohl die schlechte Tonanlage als auch der steigende Lärmpegel der Gäste im Saal ließen Zaches Worte kaum durchkommen. Ein weiteres Indiz dafür, dass Tradition längst keine Rolle mehr spielt und man sich wohl lieber unterhält und zuprostet, anstatt den Anstand zu haben, den Rednern zuzuhören. Dies erhofften sich eigentlich auch Landrat Dr. Lehmann. „Wir brauchen Ihr Engagement zur Stärkung der Dörfer“ oder der gastgebende Bürgermeister der Gemeinde Dörentrup, Friedrich Ehlert. „Ich hoffe, dass sich Nachwuchs finden wird und das soziale Engagement fortgesetzt wird.“ Doch diese Wünsche gingen im allgemeinen Gemurmel unter. Landesverbandsvorsteherin Anke Peithmann forderte nach ihrer geschichtlichen Betrachtung dazu auf, die Zieglervereine als vorbildliche und eingeschworene Gemeinschaft, ja als Gegenpol zur schleichenden Anonymisierung aufrechtzuerhalten. Eine Hoffnung, der man angesichts des Altersdurchschnitts der Mitglieder nur zustimmen kann.

Am Ende der gut einstündigen Reden zur Eröffnung, musikalisch untermalt vom Spielmannszug der Ziegler in Bega unter der Leitung von Olaf Kapelle, wurde noch Ernst Wentker, ehemaliger Vorsitzender der Lesser Ziegler und einziges noch lebendes Mitglied der Gründerversammlung des Zieglerrings vor 50 Jahren, mit einem Präsentkorb geehrt.