Weserfähren Taufe mit viel Besuchern und zu wenig Wasser unterm Kiel

Kalltal-Varenholz (rto). Die neue Weserfähre zwischen Varenholz und Veltheim könnte jetzt ihren Dienst eigentlich aufnehmen. Doch die Weser führt schlichtweg zu wenig Wasser. Das sorgte sogar dazu, dass die neue Fähre zur Taufe am Mittwoch nicht einmal herüberfahren konnte, sondern mit einem Tieflader am Dienstag von der einen Seite der Weser (Veltheim) auf die andere (Varenholz) gefahren werden musste. Ein Fährverkehr war nicht möglich und so standen am Veltheimer Ufer zahlreiche Besucher, die nicht auf die lippische Seite kommen konnten.

Dennoch war es ein Superfest. Die Mitglieder des Heimatvereins Varenholz-Stemmen hatten alles gegeben. Perfekte Organisation und eine große ‚Zeltstadt‘ waren dem enormen Andrang der zahlreichen Gäste gut gewachsen.

Mit einem vorgeschalteten Redemarathon von fast einer Stunde durch die zahlreichen Ehrengäste und der Weihe durch Superintendent Dirk Hauptmeier (früher Pastor im Kalletal) wurde die neue Fähre getauft. Unter den Ehrengästen auf der Fähre war auch Wolfgang Pape. Der ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins und Fährmann, der seit einigen Jahren durch einen Schicksalsschlag an den Rollstuhl gebunden ist, konnte das neue barrierefreie Schiff ebenfalls gut erreichen.

Bürgermister Mario Hecker erinnerte an die umfangreichen Sitzungen, Gespräche und Förderanträge, die gebraucht wurden, um das erste umgesetzte LEDER-Projekt für Nordlippe zu realisieren. Von den rund 120.000 Euro Kosten werden rund 78.000 Euro durch das LEADER Projekt bezuschusst.

Hans-Herbert Harves vom Heimatverein Veltheim erinnerte aber auch daran, dass es nicht einfach war, den historischen Fährverkehr aufrecht zu halten. Ohne zusätzliche Sponsoren wäre es nicht möglich gewesen, sagte er.

Der Vorsitzende des Varenholzer Heimatvereins, Michael Eggersmann, hob die Gemeinsamkeit zwischen den Vereinen in Varenholz und Veltheim hervor und rief dazu auf, durch ehrenamtliches Handeln die Heimat und die Dörfer zu erhalten.

Kerstin Vieregge, als Vertreterin des Landrates sagte zur Diskussion um den Namen der neuen Fähre, das Volk habe gesprochen und sich mehrheitlich für diesen Namen entschieden. Das sahen viele der Besucher nicht so, und so ging die Diskussion um den Namen noch den ganzen Tag weiter. Vor allem vor dem Hintergrund, dass eine Gemeinschaft von Yacht-Besitzern des Rietberger Yachtclubs, vertreten durch Holger Bösch, den Sieg errungen hat. Auch die Erklärung durch Holger Bösch, warum es in der Runde zu diesem Namen gekommen sei, beruhigte die Gemüter nicht.

Letztlich vollzog die Fährfrau in Ausbildung Sabine Reinecke-Erke die Taufe. Zuvor trug sie noch ein eigenes Gedicht zur Taufe vor. Die Sektflache zerplatzte gekonnt am Rumpf des Schiffes. Mit musikalischen Vorträgen des Shanty-Chors Kalletal und von Jonas Pape ging der Tag dann mit vielen Gesprächen in den aufgebauten Zelten zu Ende.

Die angekündigte Maus war dann doch nicht gekommen, auch niemand der Redaktion. Es gab nur einige Bastelbögen, was nicht nur die Kinder enttäuschte. Wie zu hören war, gab es wohl zu viele „Türöffner Tage“ und die neue Fähre war dann wohl nicht interessant genug für die blaue Maus aus Köln.

Die neue Fähre ist rund acht Meter lang und drei Meter breit. Sie hat einen Tiefgang von ca. 40 Zentimeter und ist für zehn Fahrgäste mit Fahrrädern zugelassen. Der Betrieb ist aufgrund des Seils(Gier) und der Strömung der Weser emissionsfrei.