Einem Dorf platzt so langsam der Kragen

Kalletal-Heidelbeck (fmt). Mit der Gründung einer Bürgerinitiative reagieren die Heidelbecker Einwohner auf die Straßenbaumaßnahme in ihrem Ortsteil. Verärgert sind sie auch über das mögliche ‚Nein‘ zur Museumserneuerung. Den Heidelbeckern platzt im wahrsten Sinne der Kragen.

Alle zwei Jahre wird in Heidelbeck das Apfel- und Kartoffelfest gefeiert. Eigentlich ein fröhliches Fest der Vereinsgemeinschaft. Aber in diesem Jahr war es nicht nur stark verregnet, sondern die Bürgerschaft auch aufgebracht. Wolfgang Korf, Besitzer des „Schloßkrug“ und Irene Beckmeier berichten über eine Bürgerinitiative und einen Brief an Ministerium, Landrat und Bürgermeister. Grund ist die Baustelle im Ort und ihre Umleitung. „Und jetzt kommt noch der Schlag ins Gesicht mit dem Museum“, sagt Wolfgang Korf.

Doch der Reihe nach. Hauptärgernis und Grund für die Bürgerinitiative ist die Baustelle und die dazugehörige Umleitung. Bis auf den Bus, der durch die Straße „Hinter den Höfen“ fahren darf, müssen alle, auch die Dorfbewohner, einen Umweg von zirka 15 Kilometern in Kauf nehmen, wenn sie von der einen Dorfseite auf die andere wollen. „Wer das nicht tut und lieber über den asphaltierten, landwirtschaftlichen Weg oder durch die genannte Straße fährt, muss mit Pöbeleien des Bauleiters oder gar Strafen seitens der Polizei rechnen, die sich am Freihof aufstellt“, sagt Irene Beckmeier. Und Wolfgang Korf fügt hinzu, dass man ihm sogar bei Strafandrohung verboten hat, Hinweisschilder zu seinem Gasthaus aufzustellen. „Die hatten wir am Ortsausgang Langenholzhausen so aufgestellt, dass unsere Gäste bei langsamer Fahrt den geteerten, landwirtschaftlichen Weg hätten nutzen können. Doch zwei Polizeibeamte waren bei mir und sagten, das sei nicht nur unerlaubte Werbung, sondern Aufforderung zu einer Straftat, weil der Weg kein öffentlicher sei“, berichtet der Gastronom sichtlich verärgert. Beide Akteure weisen darauf hin, dass man das Problem ohne Weiteres mit einer Funkampel an der Straße „Hinter den Höfen“ regeln kann. „Straßen.NRW hat dies jedoch abgelehnt und behauptet, es gäbe keine Funkampel, die so weit reicht“, sagt Wolfgang Korf. Er und sein Bruder sowie weitere Beteiligte haben das aber mit eigenen Recherchen widerlegt.

Verärgert sind die Heidelbecker auch, weil Versprechungen, die in der Vorbereitung der Straßensanierung gemacht wurden, jetzt nicht eingehalten werden. „Damals wurde zugesagt, dass die Bushaltestelle vor dem ‚Krug‘ entschärft, ein Fußweg mit angelegt und Beleuchtung kommen soll. Nichts davon wird gerade realisiert“, empört sich Irene Beckmeier. Das alles fordern die rund 150 Unterzeichner des Briefes jetzt von den Verantwortlichen ein.

„Beim Fußweg wären wir sogar mit lediglich einer roten Markierung wie anderswo auch zufrieden. Bei der Beleuchtung und der Bushaltestelle bleiben wir aber hart und erwarten, dass man das, was zugesagt wurde, auch eingehalten wird“, sagt Wolfgang Korf. Gleichzeitig deutet er auf die neue Straßendecke und meint, dass diese zwar neu, aber genauso wellig ist, wie der ursprüngliche Belag.

Bürgermeister Mario Hecker zeigt Verständnis für die Forderungen, betont aber, dass die Gemeinde nicht zuständig sei. Nichtsdestotrotz hat er Gespräche mit dem Baulastträger geführt. Dort habe man ihm zugesagt, die Baumaßnahme bis Mitte November zu beenden.

Verärgert ist Wolfgang Korf aber auch über die aufgeflammte Diskussion über das Museum. „Das war immer das Aushängeschild für das Dorf. Wir sehen bei den Plänen zum Waldinformationszentrum für uns auch eine große Chance für unsere zukünftige Existenz. Das Tagesgeschäft würde durch die zahlreichen Schulklassen steigen und die vielen Wanderer, die hier vorbeikommen, hätten einen neuen tollen Anlaufpunkt. Ich frage mich ob sich die Politik auch mal Gedanken um solche Dinge macht. Wir werden mit unseren Gaststätten hier im Kalletal sowieso schon immer weniger. Die Baustelle hier und die Diskussion über das Museum dort – das kann einen auch in den Ruin treiben“, sagt der Gastwirt verbittert. Dass die Diskussion über die neuen Pläne bei der CDU unter anderem daran scheitern sollen, dass es keine Parkplätze geben soll, kontert er mit dem Hinweis, dass sein Parkplatz Raum für mehr als 100 Fahrzeuge hat und sogar ein beleuchtetes Schild seit Jahren an seinem Haus hängt. „Was wir brauchen, sind mehr Hinweisschilder für das Museum im Umfeld, darauf weise ich schon seit Jahren hin“, sagt er.

Auch die Dorfbewohner wollen das Museum nicht verlieren und hatten sich schon auf das neue Konzept gefreut. Jutta Brand und Gerlinde Schumann, die im letzten Jahr die Idee mit einen Weihnachtsmarkt am Museum hatten, wollen dies in diesem Jahr wiederholen. „Wir haben das ja nicht nur für einmal geplant, wir wollten das jetzt starten, um dann später das neue Konzept für eine neue tolle Sache zu nutzen“, sagt die Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft Jutta Brand.