Anlieger sehen sich als Geisel

Kalletal-Hohenhauen (fmt). Auf Anregung der SPD-Fraktion trafen sich jetzt die Mitglieder des Bauausschusses, Anwohner, Vertreter von Straßen.NRW und der Bürgermeister an der stillgelegten Baustelle der Hohenhauser Straße. Ein Vertreter der Strabag, des beauftragten Straßenbauunternehmens, war nicht dabei. Bauleiter Justin Brakemeier entschuldigte sich gegenüber dieser Zeitung damit, dass er erst vormittags zu dem Termin eingeladen wurde und zeitlich nicht bereitstehen konnte.

Die Baustelle, die sich seit Beginn der Baumaßnahmen zum Ärgernis entwickelt hat, ist derzeit stillgelegt. Alle Baufahrzeuge sind abgezogen. Vor dem Haus der Familie Schröder steht eine rund vier Meter hohe Betonwand, dahinter der Schotterberg, der benötigt wird, um die Stützmauer gegenüber zu setzten. Die Mauer in oberen Teil der Straße an der katholischen Kirche ist gegründet und zum größten Teil verblendet. Aber auch hier sieht es so aus, als ob die beauftragte Firma ihren Arbeitsplatz verlassen hat. Burghard Müller als Vertreter von Straßen.NRW beginnt den Dialog mit den Politikern und Anwohnern so: „Hier gibt es keine Partnerschaft mehr, nur noch Gegnerschaft.“ Was er meint, darüber wurde bereits schon kurz nach Beginn der Arbeiten in dieser Zeitung berichtet. Das beauftragte Bauunternehmen, die Strabag, hat von Beginn an die Statik der Wandbetonpfähle angezweifelt und sich geweigert, die Arbeiten auszuführen. „Das ist natürlich Quatsch und längst wiederlegt“, so der Straßen.NRW-Vertreter. Sowohl er als auch sein Kollege Dirk Nesemeier sehen die Probleme ganz woanders. Oft werde bei Ausschreibungen ein niedriger Preis angesetzt, um den Auftrag zu erhalten. Dann, wenn es an die Arbeiten gehe, folgten sofort Nachforderungen. „Solchen Unternehmen geht es in erster Linie nicht um die Arbeit, sondern um das Geld. Dazu kommt, dass diese Unternehmen oft soviel Aufträge angenommen haben, dass sie mit der Vorgabe der Auftraggeber nicht klarkommen“, so Burghard Müller gegenüber dem Bauausschuss und den Anliegern. Dirk Nesemeier sagte, dass man aufgrund der Probleme mit dem Unternehmen hier bereits die Zahlung mehr oder weniger eingestellt habe, um den Auftragnehmer somit zu zwingen, hier weiter zu arbeiten. Ob der Abzug der Baugeräte nun damit im unmittelbarem Zusammenhang steht, glauben beide Straßen.NRW- Vertreter nicht.

Auf Nachfrage bei dem zuständigen Bauleiter der Strabag, Justin Brakemeier, stellt sich die Situation ganz anders da: „Es gibt für die Errichtung der Mauer derzeit keinen genehmigten Ausführungsplan von Straßen.NRW. Ja, wir hatten Zweifel an der Statik der Mauer, und müssen das auch so kommunizieren. Inzwischen gibt es aber eine Lösung. Sobald uns die Genehmigung vorliegt, arbeiten wir weiter. Wir haben ja schließlich auch kein Interesse daran, hier unendlich beschäftigt zu sein.“

Während die Straßen.NRW-Vertreter noch voller Hoffnung sind, dass die noch fehlende Mauer bis Ende November steht, sieht auch das der Bauleiter anders: „Liegt der genehmigte Ausführungsplan vor, haben wir eine Vorlaufzeit von zirka drei bis vier Wochen. Hätte dies, wie vereinbart, bis August geklappt, dann wären wir in der Zeit geblieben, jetzt sehe ich eher das Jahresende als Ziel.“

Burghardt Müller sprach auf dem Termin auch die Fertigstellung der Straße an: „Das Vergabeverfahren für den Straßenbau läuft bereits und die Aufträge dazu werden in den nächste Tagen vergeben.“ Aber, auch hier, so fügt er an, könne durchaus die Strabag wieder zum Zug kommen. „Das Verfahren ist offen“, sagt er auf entsprechende Nachfrage.

Einen Wechsel des Auftragnehmers, wie von Seiten der Bürger angeregt, sehen beide Vertreter für mehr als schwierig an. „Dann muss erst einmal aufgenommen werden, was bereits erledigt wurde und eine neuen Ausschreibung stattfinden“, das dauert noch länger, als sich jetzt mit den bestehenden Auftragnehmer auseinanderzusetzen“, betont Dirk Nesemeier.

Justin Brakemeier dazu: „Wir haben kein Interesse an der Niederlegung der Bauarbeiten. Wir haben die Fahrzeuge abgezogen, weil wir keine Arbeit mehr haben ohne den bereits angesprochenen Ausführungsplan. In den nächsten Tagen werden wir die Verblendung des ersten Teilstücks beenden und dann warten wir darauf, dass wir weitermachen können.“

Beim Ortstermin kam auch die schlechte Ausschilderung der Umleitung zur Sprache. Denn, gerade als sich alle trafen, fuhr wieder ein Kleitransporter mit Anhänger auf der Straße am Markt und wollte verkehrswidrig die Einbahnstraße zur Kreuzung hochfahren. Auch hier verwiesen die Vertreter des Auftraggebers Straßen.NRW an den Auftragnehmer. „Die haben Geld dafür bekommen, das ordentlich auszuschildern“, sagte Burghardt Müller. Dazu der Bauleiter: „Wir haben Geld für die Schilder und das Aufstellen bekommen, die Planung der Umleitung obliegt Straßen NRW. Wir führen das Konzept dann auch nur aus.“

Bürgermeister Mario Hecker sieht in der aktuelle Situation die Anwohnern und Gewerbetreibenden faktisch als Geisel der Auseinandersetzung. Er will sich jetzt zusammen mit den Fraktionen und den betroffenen Bürgern schriftlich an ansprechende Stelle wenden.

Manfred Rehse (SPD) erwägt gar den politischen Weg über die Vertreter im Landtag zu gehen.

Anliegerin Anne Schröder nimmt es mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf. „Auf der einen Seite hatten wird als Anlieger einen so ruhigen Sommer wie nie. Auf der anderen Seite müssen wir uns ständig mit Menschen auseinandersetzen, die vor dem Berg Schotter stehen und auf unserem Grundstück wenden.“ Mit einem bitter-sarkastischen Unterton fügt sie dann noch an: „Weihnachten werden wir wohl mit dem Blick auf die graue Mauer verbringen.“