Über den Kochtopf schauen – Landfrauenverband feiert 70.

Kalletal-Hohenhausen (fmt). Die Ortsgruppe der Hohenhauser Landfrauen im Kreislandfrauenverband feiert ihren 70. Geburtstag. Wie bei allen Landfrauenverbänden liegen die Anfänge der Landfrauenorganisation aber schon viel weiter zurück. Am Freitag, 14. September, wird der Geburtstag im Tannenhof in Henstorf groß gefeiert. Dazu kommen die Geschäftsführerin des Landfrauenverbandes, Lisa Warder, und die Vorstände der Nachbarverbände. Der Gospelchor Hohenhausen wird auftreten und nach dem Rückblick auf die vergangenen 70 Jahre wird es noch ein Überraschungsprogramm geben.

Ein Blick zurück: Vorläufer der Landfrauen waren die landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine, die Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurden. In diesen Vereinen waren Frauen aus landwirtschaftlichen Betrieben mit ländlich-hauswirtschaftlichen Aufgaben organisiert. So waren u.a. Produkte aus Käsereien, Brütereien, Spinnbetrieben und Webereien aber auch Süßmost im Angebot, der auf Verkauf angelegten Vereine.

Im Dritten Reich wurden die landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine 1934 aufgelöst. Erst im Jahr 1948 wurde erste Landfrauenvereine als Nachfolgeorganisationen der landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine neu gegründet. In Lippe gründete sich der Kreislandfrauenverein und im Kalletal die beiden Vereine in Varenholz-Stemmen und Hohenhausen.

Elisabeth Stock aus Osterhagen war die erste Vorsitzende des Hohenhauser Vereins. Fräulein Emma Klemme aus Brosen stand ihr als 2. Vorsitzende zur Seite, so steht es in der Chronik des Vereins. Zu dem Gründungsvorstand gehörten auch Elfriede Prange aus Selsen, die für die Kasse zuständig war und ein Fräulein Weege aus Westorf (Vorname unbekannt) als Schriftführerin. Sie wurde allerdings schon nach zwei Jahren ersetzt, weil Hochzeit und Wegzug dazu führten. Ihre Stelle nahm Waltraud Blankenburg ein, die im Jahr 1955 zur 1. Vorsitzenden gewählt wurde.

Von Beginn an war in den neuen Verbänden und Ortsgruppen die kulturelle Weiterbildung und das Engagement auf sozialen Gebieten wichtig, aber auch die Erholung durch Fahrten und Kurzurlaube standen im Vordergrund. Waren es vor dem 2. Weltkrieg nur Frauen aus landwirtschaftlichen Betrieben, die sich organisierten, kamen ab 1948 immer mehr Frauen hinzu, die zwar auf dem Land lebten, aber mit der Landwirtschaft als Einkommensquelle nichts zu tun hatten. Die Hohenhauser waren hier Vorreitern und machten sich damit nicht sehr beliebt im Kreisverband. „Immer mehr ‚Zugereiste‘, Akademikerinnen, Frauen von Unternehmern, aber auch ganz normale Frauen fanden den Weg in den Ortsverband“, heißt es dazu in der Chronik des Verbandes.

In Jahr 1979 hatte die Hohenhauser Ortsgruppe bereits 231 Mitglieder. Davon waren 40 Prozent Bäuerinnen und schon 60 Prozent der Frauen kamen aus anderen Berufen.

Lehr– und Besichtigungsfahrten, Vorurteile in allen Teilen des Lebens abbauen und neue hauswirtschaftliche Techniken standen ab jetzt im Vordergrund. Kochkurse fanden in Lemgo statt und um die neuen Herde und Waschmaschinen kennenzulernen, fuhr man nach Detmold zu den dortigen Stadtwerken.

Erika Flörkemeier übernahm den Vorsitz von Waltraud Blankenburg im Jahr 1986 und stand den Verein bis 1990 zur Verfügung. Danach übernahm Ulrike Rüggemeier den Vorsitz. Ingrid Bökemeier aus Echternhagen, die schon von 1996 bis 1998 kommissarische Vorsitzende war, übernahm den Job dann in den Jahren 1998 bis 2010. Auf sie folgten bis 2014 Marie-Luise Wittland und von 2014 bis 2018 Annegret Keitmann.

Nach einer Satzungsänderung des Hauptverbandes sind die Vorstandsämter seither an Altersgrenzen gebunden. Das führte dazu, dass einzelne Ortsverbände erloschen oder kooperierten. In Hohenhausen gibt es jetzt ein Dreierteam – bestehend aus Dorothee Voß, Sabine Stock und Anne Frevert –, die jetzt die Geschäfte führt. Sie werden im erweiterten Vorstand von Annegret Keitmann, Ilka Plöger, Giesela Kühn und Daniela Farwick unterstützt.

So wie sich das Leben und die Vorstände verändert haben, haben sich auch die Anforderungen im Leben auf dem Land verändert. Waren es früher zum Beispiel „Ferien auf den Bauernhof“, um die sich die Landfrauen kümmern mussten, ist ihre Anerkennung in den Betrieben in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Viele Frauen arbeiten als vollwertige Kraft mit. Das Programm hat sich dem angepasst und bietet jetzt u.a. PC- und Technikkurse sowie Betriebswirtschaftlehre an.

Aktuell haben die Hohenhauser Landfrauen 150 Mitglieder. Nur noch rund drei Prozent kommen aus der Landwirtschaft, der Rest aus anderen Berufen.

Für die Zukunft stellen sich die derzeit Aktiven nicht nur ein Vorstandteam aus “Alt und Jung“ vor, sondern auch ein Angebot, bei dem sozusagen die Jungen von den Alten und umgekehrt lernen. „Kreativkurse, traditionelles Kochen aber auch moderne Techniken oder digitale Entwicklungen sowie unsere Ausflüge für den nötigen Zusammenhalt gehören sicher dazu“, sagt Sabine Stock.