Dorffest in Bentorf – Abschied oder Neuanfang?

Kalletal-Bentorf (fmt). „Ich kann verstehen, dass man so ein Fest lieber in einem kleinen Zelt fein und ruhig feiert. Aber ich sage auch, bitte hört damit nicht auf. Es ist ein Stück Identität und Tradition.“ Bürgermeister Mario Hecker erinnerte am Sonntag beim Frückstück im Zelt nicht nur frühere Feste mit Schießbude und Auto-Scooter und großartigen Umzügen. Er wies auch auf die inzwischen hohen Auflagen für derartige Veranstaltungen hin und darauf, dass alles nur ehrenamtlich abgewickelt wird.

Ein anderes Fest zum 50. Jubiläum hatten die Verantwortlichen der Dorfgemeinschaft in Bentorf versprochen. Das ist es auch geworden. Aber, so Jürgen Voges als 1. Vorsitzender der Bentorfer Vereinsgemeinschaft, auch ein einigermaßen erfolgreiches. Das war im Vorfeld nicht abzusehen, stand doch die ganze Veranstaltung zur Diskussion. Doch die zwei Tanzabende sind mit jeweils über 200 Gästen gut besucht gewesen und am Sonntag reichte der Platz zum Frühstück für die über 130 Teilnehmer nicht aus.

Hier wies dann auch Landrat Dr. Axel Lehmann darauf hin, dass vor 50 Jahren die Gebietsreform und die Großgemeindebildung stattgefunden haben. „Damals war der Wunsch groß nach eigenen Dorffeiern auch wegen des möglichen Identitätsverlustes. Deshalb sage auch ich, hören sie nicht auf. Lippe braucht die Dörfer und ihre Traditionen.“

Ein paar Misstöne gab es aber auch. Der eine oder andere Besucher der Freitagveranstaltung äußerte schon am Samstag seinen Unmut darüber, dass man am Freitagabend bereits beim Betreten des Festplatzes seinen Eintritt leisten musste.

„Das war aber nicht unser Abend und den Festwirt muss man auch verstehen, eine Band wie „Fourmat“ kostet Geld“, sagte Jürgen Voges dazu. Am Samstag war zumindest der Festplatz frei und die Kritiker wieder zufrieden.

Der Vorsitzende begründete dann auch noch, warum es in diesem Jahr anders war als sonst. „Es gab vor zwei Jahren so gut wie kein Interesse der Dorfbevölkerung mehr am Umzug. Dazu hören viele ehemals Ehrenamtliche aus Altersgründen auf. Der Sportverein ist kein Mitglied in der Dorf- und Vereinsgemeinschaft und auch der sonst sehr aktive Gartenverein ist nicht mehr da. Was in Zukunft mit den beiden Zieglervereinen wird, muss man abwarten. So bleibt nicht mehr viel. Und die, die sich dann noch engagieren, machen das alles ehrenamtlich“, sagte er am Samstag am Rande der Trecker- und American-Car-Show.

Die war, sicher auch des wechselhaften Wetters geschuldet, nicht sehr gut besucht. Aber auch hierfür kam das Engagement aus dem Dorf. Helmut und Gulien Happ, Freunde der amerikanischen Pickups, sorgten mit ihren Freunden für ein paar interessante Exponate aus der Szene. Alte Trecker und eine fahrbare Säge aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts bildeten auf der anderen Seite des Parkplatzes das krasse Gegenteil.

Neben Landrat Dr. Axel Lehmann und Bürgermeister Mario Hecker waren auch MdL Jürgen Berghahn und Vertreter der Ratsfraktionen am Sonntag zum Frühstück als Ehrengäste gekommen. Zur Überraschung aller Gäste trat dann noch eine Formation des Fanfarenzuges Blau-Weiss Kalletal auf und sorgte für Stimmung. Ob und wie es weitergehen wird, ob es in zwei Jahren wieder ein Dorffest geben wird, darüber, so Jürgen Voges, wird der Vorstand in einigen Wochen beraten.