Absolut gelungen: Open-Air-Konzert in Wendlinghausen

Dörentrup (fmt). Ja, das waren noch Zeiten, damals als sie noch jung waren, ins Wendland marschierten, gegen Atomkraft und für eine bessere Zukunft demonstrierten. Heute sitzen sie als Vertreter der Silver-Ager-Generation mit Kissen im Rücken ihrer Stühle gegen die aufkommende Abendkühle und ein Glas Wein in der Hand haltend, im Vorgarten des wunderschönen Schlosses Wendlinghausen und warten auf ein Revival-Konzert.

Die, die sie heute verzaubern und mit der Musik von damals an diesem lauen Sommerabend begleiten und in die Vergangenheit begleiten werden, sie waren damals noch nicht einmal geboren.

Michael Frank und Guido Reuter als „Simon&Garfunkel-Revival-Band“ starten den Abend mit leisen Tönen, ganz leise mit dem „Feeling Groovie“. Leise geht es weiter bis endlich zum vierten Song, dem „El Condor Pasa“ das alte Feeling auf das Publikum überspringt. Das Klatschen und Wippen sowie das unruhigen Hin- und Herrutschen auf den Stühlen macht deutlich, es bewegt sich was, auch in den Köpfen.

Erinnerungen werden wach, die Lieder textsicher mitgesungen. Immer wieder nutzt Michael Frank die Zeit zwischen den Stücken für seine witzigen und komödiantischen Einlagen und treibt das Publikum so an. Guido Reuter zeigt sein musikalisches Talent durch die Vielfalt der Instrumente, von Keyboard über Flöten bis zum Akkordeon die er an diesem Abend gekonnt einsetzt.

Die Stimmung steigert sich zur Pause hin mit dem einfühlsamen „Scarborough Fair“ oder „Bright Eyes“ aus dem Zeichentrickfilm „Watership Down“, dem Film, den jeder der hier Anwesenden damals, im Jahr 1978 gesehen haben musste. Mit dem neu interpretierten, aber immer noch mitreißendem und im wahrsten Sinne des Wortes von den Stühlen reißenden „Cecilia“, endet der erste Teil dieses wundervollen Sommerabends.

In der Pause genießen die Gäste das Flair der untergehenden Sonne und die Kulisse des beleuchteten Schlosses in Wendlinghausen.

Mit „Mrs. Robinson“ geht es nach der Pause weiter. Der eine denkt hier an Cabrio-Feeling und rote Alfa Romeo Spider zurück, andere wieder an die damalige Skandalträchtigkeit des Films, der vor fünfzig Jahren offen einen Tabubruch zeigte.

Die Musiker unternahmen in der zweiten Konzerthälfte auch einen kleinen Ausflug in die Welt der Solo-Erfolge von Paul Simon. Nach Südafrika ging es mit den Songs „Graceland“ und „Call Me Al“, die Paul Simon 1986 geschaffen hatte. Sebastian Fritzlar am Bass und Schlagzeuger Mirko Sturm erhalten einen riesigen Extra-Applaus für ihre grandiose Drums&Bass-Einlage zwischendrin.

Guido Reuter schnallt sich das Akkordeon um, die beiden Background-Musiker schnappen sich die einzelnen großen Trommeln und mit „Obvious Child“ geht es musikalisch von Südafrika nach Brasilien, wo 1990 das Album „The Rhythm Of The Saints“ entstand.

Jetzt hält es nur noch wenige auf den Stühlen. Die Best-Ager hat es in Erinnerung an die alten Zeiten gepackt. Man tanzt zwischen den Stühlen und jubelt den Musikern euphorisch zu.

Zugabe-Rufe am Ende des Konzertes lassen noch einmal die großen Solo-Drums zum Einsatz kommen und mit „Cecilia“ und dem letzten Trommelschlag eines Zuhörers aus der ersten Reihe auf das Instrument endet dieser schöne Konzertabend – Ein tanzendes und jubelndes Finale eines gelungenen Konzertabends im ungewöhnlichen aber passenden Rahmen auf Schloss Wendlinghausen.