Wenn Tier und Mensch Hilfe brauchen…

Dörentrup (nr). Eigentlich sollte Jungspund Jessie mit ihren knapp 16 Monaten ausgelassen durch den Garten toben. Stattdessen wirkt die ausgesprochen hübsche Schäferhund-Mischlingshündin verängstigt und unruhig und will sich lieber verkriechen. Mit aller Kraft versucht sie, soviel Abstand als nur möglich zu fremden Menschen zu halten. Wieso das so ist, wissen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Dörentruper Tierschutzvereines „Arme Socken“ leider auch nicht, aber sie bemühen sich sehr um die Hündin, die jetzt seit ein paar Wochen bei ihnen ist. Wenn Jessi sich gefangen hat, soll sie vermittelt werden – an eine Pflegestelle oder an neue Besitzer.

So wie bei Jessi nimmt der Verein jedes Jahr 20 bis 30 Hunde und etliche Katzen auf – als Abgabetiere. Im Fall der hübschen Jessie blickt die erste Vorsitzende des Vereins, Veronika Bögeholz, positiv in die Zukunft. „Sie hat große Fortschritte gemacht und fasst immer mehr Vertrauen, aber dauern wird es wohl doch noch etwas, bevor sie vermittelt werden kann.“

Wie sich die Arbeit des Vereins genau gestaltet und warum der Verein auf aktive Unterstützung angewiesen ist, führt sie gleich weiter aus: „In der Regel nehmen wir Hunde und Katzen jeglicher Rasse, jeglichen Alters und jeglichen Gesundheitszustandes auf. Immer wieder müssen sich Tierbesitzer aus den unterschiedlichsten Gründen vom eigentlich geliebten Haustier trennen.“

Eigentlich geliebt? „Wir stellen nicht infrage, dass es schwerwiegende Gründe für eine Abgabe geben kann“, erklärt die aktive Tierschützerin weiter. „Im Fall des zwei Jahre alten, kastrierten Rüden Mateo war es beispielsweise die Eifersucht auf das Baby. Als Mateo anfing, Baby und Mutter anzuknurren, gab es kaum eine andere Möglichkeit. Mateo ist ein großer Mischling. Vielleicht ist da ein Podenko drin“, überlegt Veronika Bögeholz laut. „Ich gehe mal davon aus, dass der Rüde vor der Geburt des Babys sehr verwöhnt worden ist und sich die Rolle des kleinen Prinzen nicht mehr abnehmen lassen wollte."

"Aber es gibt andere Fälle. Manche Gründe sind recht fadenscheinig, andere könnten wir sogar abwenden. Dann nämlich, wenn sich Tierbesitzer die Tierarzt- oder Futterkosten nicht leisten können. Hier helfen wir sehr gerne. Nur weil man finanziell nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens steht, darf es nicht sein, dass man Hund oder Katze abgeben muss.“ Auch wenn der kleine, eigenständige Verein mit 13 ehrenamtlichen Helfern beim Spendenportal für Tierschutzvereine angegliedert ist, werden Futtermittel- und Geldspenden ebenso dringend benötigt, wie beispielsweise Katzenzubehör.

Im Fall einer sieben Jahre alten Australian Sheppard Hündin, die aufgrund einer Diabetes-Erkrankung vor kurzem erblindet ist, versucht der Verein jetzt, die Kosten für die Augen-OP zu tragen. „Wir müssen mit 1.200 Euro pro Auge rechnen, freuen uns also über jede Spende“, erzählt Veronika Bögeholz.

Wie lange die Fellpuschel in der Obhut des Vereins bleiben, hängt dabei ganz vom Einzelschicksal der Tiere ab. Manche können bereits nach wenigen Tagen weiter vermittelt werden, andere müssen erst durch erfahrene Hundetrainer resozialisiert werden.

So bemüht die Tierschützer um die Tiere sind, so wütend macht sie die Art und Weise, mit der viele Menschen mit den Tieren umgehen. „Wir haben genug Hunde und Katzen in Deutschland. Hier wird gezüchtet, was das Zeug hält und von Kastration scheinen viele Menschen auch nicht viel zu halten“, entrüstet sie sich.

Und manchmal werden sie auch von falsch verstandener Tierliebe um den Schlaf gebracht: „Von einem kleinen Verein haben wir den Rüden Manni übernommen. Es hieß, er sei kinderlieb, verstehe sich mit anderen Hunden und könne bald vermittelt werden.“ Veronika Bögeholz lacht bitter auf, als sie das sagt. „Manni ist in Rumänien angekettet und mit Salzsäure übergossen worden, bevor er zu dem kleinen deutschen Verein gekommen ist“, erzählt sie. „Jetzt ist er hier, noch nicht einmal leinenführig und sicherlich kein Hund für Familien mit Kindern. Der Hund ist also unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu uns gebracht worden und das ärgert uns maßlos.“

Ganz händeringend sucht der Verein jetzt Unterstützung, um Futterkosten zu decken, OPs zu bezahlen oder die Tiere adäquat unterbringen zu können. Auch Pflegestellen in Nordlippe - also in der Nähe ihres Standortes in Dörentrup-Humfeld, suchen sie dringend. „Wer ein Tier aufnehmen möchte, sollte sich aber bewusst machen, dass viele unserer Fellnasen nicht von Anfang an sauber sind. Sie alle haben eine Vorgeschichte und brauchen Zeit, um sich einzugewöhnen. Wenn sie Vertrauen gefasst haben, kann man aber keinen besseren Freund finden.“

Futtermittelspenden können nach telefonischer Absprache unter der Telefonnummer (05265) 5296758 abgegeben werden. Spenden können „Arme Socken e.V.“ zudem unter DE40476400510431276500 zugedacht werden.