Mehrfach Gänsehaut am heißen Nachmittag

Extertal-Bösingfeld (ar). Das Publikum hatte in der vollbesetzten Kirche in Bösingfeld vor lauter Andacht und Begeisterung schon einige Gänsehäute hinter sich, als sich die Extertaler Musikanten mit einem ganz besonderen Chor-Leckerbissen präsentierten. Denn die in fünfzehnköpfiger Stärke angetretene Formation unter der sensiblen Führung von Chorleiter Rolf Hammann bewies mit ihren Wettbewerbstiteln, mit denen sie am 9. Juni in Rheine angetreten waren, eine echte Hochklassikkeit.

Dort hatte der Chor seinen bereits viermal errungenen Titel als „Meisterchor“ erfolgreich bestätigt und ist mit seinen nunmehr fünf Auszeichnungen Rekordhalter in Lippe. „Salve Regina“, „Am Brunnen vor dem Tore“, „Eine kleine Wolke“ und „Die Entdeckung Amerikas“ waren die Lieder, mit denen schon die Jury in Rheine überzeugt wurde, und nun, noch ganz im Wettbewerbsmodus, zeigten die „Extertaler Musikanten“ mit unglaublichem Stimmvolumen, großer Präzision, bester Artikulation und einer geschliffenen Mehrstimmigkeit, was einen Meisterchor ausmacht.

Da hatte Chorleiter Rolf Hammann ganze Arbeit geleistet, ist er doch quasi der Motor des Ganzen. Das Herz des Ganzen ist jedoch Elisabeth Kuhfuß, die als Vorsitzende des Vereins Extertaler Musikanten e.V. sowohl den eigenen Chor mit seinem Werdegang und seinen Erfolgen vorstellte als auch Bürgermeisterin Monika Rehmert und MdB Kerstin Vieregge (CDU) zu Grußworten begrüßen konnte, die in Vertretung von Landrat Dr. Axel Lehmann erschienen war.

Ein spezielles Grußwort hielt der 1. Vorsitzende des Lippischen Sängerbundes, Norbert Arnold. Natürlich würdigte er die große Leistung des Ensembles, doch stellte er anstatt eines „Flachgeschenkes“ eine demnächst noch zu überreichende Belohnung für die erbrachte Leistung in Aussicht.

Das Hauptaugenmerk an diesem intensiven Nachmittag in der Bösingfelder Kirche lag auf dem Meisterchor, doch hatte auch der MGV Concordia Bösingfeld einen gehörigen Anteil. Unter der Leitung von Michael Kampmeier brachten die älteren Herren Lieder aus bekannter Chorliteratur zu Gehör, darunter Ohrwürmer wie „Schön ist die Welt, „Rennsteig-Lied“ oder „Ein kleines Stück Musik“. Da trafen zwei ganz verschiedene Chor-Philosophien aufeinander, die sich jedoch harmonisch ergänzten. Bezeichnend dafür war das Lied „Come together“ zum Einstieg in den Nachmittag, bei dem beide Chöre sich die Bühne gemeinsam teilten und stimmlich ergänzten. Doch erstaunlich, wie gut der fast nur weiblich besetzte Meisterchor mit seiner Stimmkraft und seiner Klarheit dem Männerchor Paroli bieten konnte. Bei manchen Stücken lieferte Irina Stein am Piano die subtile und einfühlsame Begleitung. Beeindruckend die Vielfalt des Programms. Das bekannte „Mein kleiner grüner Kaktus“ kam fetzig und rhythmisch herüber, ebenso das „Die Entdeckung Amerikas“, ein witziges und überraschendes modernes Arrangement des alten „Ein Mann, der sich Kolumbus nannt‘“. „My heart will go on“ ging an die Tränendrüsen, ebenso das sanfte „Halleluja“ von Leonard Cohen, und das Publikum zeigte sich voll beeindruckt.

Zwischenzeitlich wartete der Chor mit einem kreativen Einfall auf. Die Sängerinnen entledigten sich ihrer bunten Westen und traten nun in extra angefertigten Meisterchor-T-Shirts auf, von denen sie je ein Exemplar auch Elisabeth Kuhfuß und Rolf Hammann überreichten.