Bega, Bremke und Rott werden die neuen Modellorte für den digitalen Wandel

Dörentrup / Extertal (red). Die Digitalisierung ist in vollem Gange und sorgt derzeit in fast allen Lebensbereichen für einen tiefgreifenden Wandel. „Gerade für den ländlichen Raum ergeben sich dadurch auch große Chancen. Denn mit ‚smarten‘ Technologien können wir räumliche Grenzen überwinden und gewährleisten damit, dass auch unsere Dörfer nicht den Anschluss an die Städte verlieren“, weist Landrat Dr. Axel Lehmann auf die Vorteile dieses Wandels hin. Das Projekt „Smart Country Side" (SCS), das in Kooperation zwischen dem Kreis Lippe und der Wirtschaftsförderung des Kreises Höxter durchgeführt wird, gestaltet diesen Wandel mit, um die digitalen Potentiale für Dörfer zu nutzen. In Lippe stehen jetzt die ersten Modellorte für das Projekt fest: Bega, Billerbeck, Brakelsiek, Bremke/ Rott, Elbrinxen, Eschenbruch, Holzhausen-Externsteine und Lemgo-Südstadt wollen bedarfsgerechte, digitale Anwendungen für ihr Dorf entwickeln.

Das Projekt „Smart Country Side" wird durch die europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen gefördert. „Die zentrale Frage des Projekts ist es, wie Dörfer in ländlichen Regionen das Thema Digitalisierung umsetzen können und welche digitalen Anwendungen zu den jeweiligen Bedarfen passen. Deshalb war es uns wichtig, dass die Modellorte repräsentativ sind und die Erfahrungen aus diesen Dörfern auch auf weitere Orte übertragbar sind“, erklärt Dr. Klaus Schafmeister, Leiter des Zukunftsbüros des Kreises Lippe.

Im nächsten Schritt sollen die bereits entstandenen Ideen in den Dorfgemeinschaften diskutiert werden, erste Maßnahmen sollen ab 2018 umgesetzt werden. Dazu finden in allen Modellorten sogenannte „Dorfkonferenzen" statt, die erste wird Ende September in Bega durchgeführt. Vorab haben die Vereine einen Fragebogen an die Dorfbewohner verteilt, in dem sie ihre Einschätzung dazu abgeben können, welche Strukturen in Bega bereits vorhanden sind und wo noch Bedarfe bestehen. „Der Austausch mit den Anwohnern ist uns besonders wichtig, da sie die Experten vor Ort sind und am besten einschätzen können, welche Herausforderungen noch zu meistern und welche Aufgaben noch gelöst werden müssen“, so Ann-Kathrin Habighorst vom Zukunftsbüro des Kreises Lippe. Zusätzlich zu den Dorfkonferenzen erarbeitet das Projektteam der Kreise Lippe und Höxter übergreifende Themenveranstaltungen für das Jahr 2018, an denen nicht nur die Modelldörfer teilnehmen können, sondern alle Interessierte in der Region.

Gabriele Licht, Ortsvorsteherin von Eschenbruch, hat bereits erste Ziele vor Augen: „Wir freuen uns, dass Eschenbruch für einen solchen Prozess ausgewählt wurde. Erste Ideen liegen auch schon vor: Unter anderem möchten wir die bereits existierende Nachbarschaftshilfe digital unterstützen“. Und Friedhelm Plöger, Vorsitzender des Vereins TuS Bega, ergänzt: „In Bega könnten wir uns vorstellen, zum Beispiel einen ‚Seniorentreff‘ ins Leben zu rufen: Einerseits hätten die älteren Leute hier einen Ort, an dem sie sich begegnen und austauschen könnten, andererseits könnten sie hier durch Schüler aus Bega geschult werden, wie man mit den neuen digitalen Anwendungen umgeht.“

Wie ein digitaler Kommunikationsort in einem Dorf auch aussehen kann, zeigt die sogenannte „Smart Bench": Die intelligente Bank ist ein Hotspot für freies WLAN, außerdem können hier gleichzeitig Tablet, Smartphone und Co. kostenlos aufgeladen werden – der Batteriespeicher wird über ein eingebautes Photovoltaik-Modul gespeist. Die Smart Bench wird künftig auch Station in den Modell-Orten machen. Hier könnte sie dann beispielsweise auch als Mitfahrerbank dienen: Indem man sich auf die Bank setzt, signalisiert man vorbeifahrenden Autos, dass man eine Mitfahrgelegenheit sucht – die Autofahrer entscheiden dann, ob sie die Personen mitnehmen oder nicht.